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Harninkontinenz

Elisabeth-Krankenhaus Rheydt

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Allgemeines
Belastungsinkontinenz
Dranginkontinenz
Reflexinkontinenz
Überlaufinkontinenz
Extravesikale Inkontinenz
Diagnose
Behandlung


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Allgemeines

Harninkontinenz ist ein extrem häufiges Krankheitsbild (Unvermögen, den Harn zu halten), an dem ca. 10 Millionen Menschen in Deutschland leiden. Naturgemäß steigt die Häufigkeit mit zunehmenden Alter, allerdings suchen nur 25% einen Arzt diesbezüglich auf.


Nach der Einteilung der Internationalen Gesellschaft für Kontinenz (ICS) unterscheidet man verschiedene Formen:

  • Belastungsinkontinenz (früher Stressinkontinenz)
  • Dranginkontinenz (Urgeinkontinenz)
  • Reflexinkontinenz
  • Überlaufinkontinenz
  • Extravesikale Inkontinenz (Form, die durch Blasenfisteln hervorgerufen wird)




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Belastungsinkontinenz


-Die Belastungsinkontinenz ist durch eine Schwäche des Schließmuskelapparates einerseits, andererseits durch Veränderungen der Verankerung des Schließmuskelapparates im Becken hervorgerufen. Sie tritt überwiegend bei Frauen auf, signifikant häufiger nach Geburten. Ursächlich sind nicht nur anatomische Veränderungen, wie Verstreichung des Winkels zwischen Blasenboden und Harnröhre, sondern vor allem nervale Schädigungen, z.B. bei der Geburt.


Symptome:

Beim Heben, Husten, Niesen und Lachen kommt es zu einem erhöhten Druck im Bauchraum und in der Blase, dem der Schließmuskelapparat aber nicht widerstehen kann. Je nach Schweregrad unterscheidet man Grad 1 (Urinverlust beim Niesen und Springen), Grad 2 (Urinverlust beim Aufstehen und Umhergehen bei geringerer Belastung) und Grad 3 (Urinverlust schon im Liegen).


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Dranginkontinenz


Die Inkontinenz wird hervorgerufen durch eine Überaktivität der Harnblase. Die Blase zieht sich sehr stark zusammen („Blasenkrampf“). Der Druck ist so hoch, dass er den Verschlussdruck des Schließapparates (Harnröhre und Blasenauslass) übersteigt, und es so zum Urinverlust kommt.
Ursachen sind Erkrankungen, die zu einer erhöhten Reizung der Blasenschleimhaut führen, wie z.B. Entzündungen, Steine, Tumoren, aber auch eine Vergrößerung der Prostata und in seltenen Fällen auch ein Hormonmangel.
Der OAB (überaktive Blase) kann auch eine diagnostisch nicht nachweisbare neurologische Erkrankung zugrunde liegen.


Symptome:

Dranginkontinenz zeichnet sich durch Urinverlust verbunden mit starkem Harndranggefühl aus, durch häufiges Wasserlassen und in der Regel auch durch kleine Blasenfüllungen.


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Reflexinkontinenz


Lassen sich als Ursache neurologische Erkrankungen, wie Multiple Sklerose, Morbus Parkinson etc. nachweisen, so spricht von einer Reflexinkontinenz.
Diese Form kommt häufig auch bei Arteriosklerose und Cerebralsklerose vor. Hier kann der Miktionsreflex (Blasenkontraktion) willentlich nicht mehr sicher unterdrückt werden kann.
Auf die Sonderform der Reflexblase durch Verletzungen des Rückenmarkes (Querschnitt) wird hier nicht näher eingegangen.


Symptome:

Bei der reflektorischen Blasenkontraktion kommt es durch fehlendes Zusammenspiel zwischen Blasenmuskulatur und Schließmuskel zu hohen Drucken in der Blase, die der Schließmuskelapparat nicht mehr beherrschen kann. Häufig kommt es durch die hohen Drucke im unteren Harntrakt (Blase) zur Schädigung des oberen Harntraktes (Nieren) durch Steinbildung, Infektion und Harnstauung.


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Überlaufinkontinenz


Diese Form ist gekennzeichnet durch erhöhten Druck in der Blase wegen starker Füllung, der den Verschlussdruck des Schließmuskelapparates überschreitet.
Dies kommt besonders bei einer Obstruktion (Abfluss-Störung infolge einer vergrößerten Prostata) vor. So kommt es zur sog. Ischuria paradoxa, d.h. zum ständigen Harnträufeln ohne eigentlich Wasserlassen zu können.


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Extravesikale Inkontinenz


Dies ist der Verlust von Harn, meist als Folge von Fistelbildungen, z.B. einer Blasen-Scheiden-Fistel oder einer Urethra-Scheiden-Fistel. Diese wird durch vaginale Spiegeleinstellung mit Auffüllen der Blase und einer Blasenspiegelung eruiert und muss operatv korrigiert werden.


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Diagnose


Eine ausführliche Erhebung der Krankengeschichte mit Bewertung eines vom Patienten selbst durchgeführten Miktion-und Inkontinenzprotokolls, die einfache klinische, auch gynäkologische Untersuchung, eine Harnstrahlmessung mit Beurteilung der Kurve und Restharnbestimmung durch Ultraschall führen meist schon zur richtigen Diagnose.


Da in 30-40% Mischformen zwischen Belastungs- und Dranginkontinenz auftreten können, die eine unterschiedliche Behandlung nach sich ziehen würden, ist häufig eine zeitaufwändige video-urodynamische Untersuchung oder Blasendruckmessung notwendig. Wenn ein Patient bereits eine Operation zur Beseitigung der Inkontinenz erhalten hat und weiter inkontinent ist, muss die video-urodynamische Untersuchung in jedem Fall durchgeführt werden.
Über einen kleinen Messkatheter in der Blase wird diese kontinuierlich aufgefüllt und der Binnendruck gemessen.
Zum Messen des Druckes im Bauchraum wird ein kleiner Katheter in den Mastdarm eingelegt.
Parallel wird die Aktivität des Beckenbodens über Klebeelektroden abgeleitet. Zur optimalen Beurteilung des Situs (Lage der Blase und Harnröhre), wird die Messung 1x mit Kontrastmittel durchgeführt.


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Behandlung


Unsere Klinik ist auf die Diagnostik und die Behandlung der Harninkontinenz spezialisiert und nahezu sämtliche Methoden der operativen Korrektur werden hier z. T. in Zusammenarbeit mit der gynäkologischen Abteilung durchgeführt.


Belastungsinkontinenz

Das Prinzip der Behandlung sollte die Wiederherstellung der anatomischen Verhältnisse im Unterbauch sein. Dies geschieht durch krankengymnastische Übungen mit Beckenbodengymnastik, um das Gewebe hier wieder zu straffen.
Unterstützend können weibliche Hormone (Östrogene) eingesetzt werden.
Bei Misserfolg dieser konservativen Therapie, die in jeden Fall primär durchgeführt werden sollte, besteht die Möglichkeit, ein Medikament (Yentreve®) zu verabreichen, welches im Gehirn wirkt und durch bessere Impulsübertragung zu einer erhöhten Aktivität im Beckenboden und Schließmuskelbereich führt.
Führt auch diese Therapie nicht zum gewünschten Ergebnis, kann man operativ die anatomischen Verhältnisse wiederherstellen.
Es stehen mehrere Verfahren zur Auswahl, die je nach Alter des Patienten, Grunderkrankungen und Voroperationen vom Arzt gewählt werden:
Kolposuspensionen, Fascienzügelplastiken und minimal invasivere Verfahren, wie das Einlegen von Bändern (TVT Band, obturatorisches Band), die nur einen kurzen stationären Aufenthalt erfordern.


Dranginkontinenz

Bestehende Ursachen der Dranginkontinenz müssen beseitigt werden. Verhaltenstherapie und vor allem medikamentöse Therapien mit sog. Vagolytika (blasenruhigstellende Medikamente) führen zu einer deutlichen Verbesserung der Situation.
In ausgewählten Fällen kann eine Elektrostimulation und Modulation bestimmter Nerven durchgeführt werden.
Injektion von Botulium-Toxin in schweren Fällen bei Unverträglichkeit oder Kontraindikation von Medikamenten führt ebenfalls zu einer deutlichen Verbesserung.


Reflexinkontinenz

Hier ist das Grundprinzip der Behandlung, die Senkung des hohen Innendrucks der Blase, um Folgeschäden an den Nieren zu verhindern. In der Regel geschieht dies medikamentös durch ruhigstellende Maßnahmen der Blase. Häufig muss zusätzlich ein Einmalkatheterismus vorgenommen werden, den der Patient selbst durchführen kann.
Nur in ausgewählten Fällen kann durch eine neuro-urologische Operation mit Durchtrennung von Nerven der Blasendruck gesenkt werden, gleichzeitig durch Nervenstimulation auf Knopfdruck Blase und Darm entleert werden (Brindley Sphinkter).


Überlaufinkontinenz

Hier ist es durch die dauernde Überdehnung der Harnblase über einen langen Zeitraum meist schon zu einer Schädigung der Blasenmuskulatur gekommen.
Daher wird ein für einige Zeit ein Bauchdeckenkatheter eingelegt und der Blase Zeit gegeben, sich zu erholen. Anschließend ist meist eine Schälung der Prostata notwendig.

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