Hodenkrebs
Elisabeth-Krankenhaus Rheydt
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Allgemeines
Ursachen
Symptome
Diagnostik
Behandlung
Chemotherapie
Nachsorge
Allgemeines
Hodentumorerkrankungen sind die dritthäufigste bösartige Erkrankung im Alter bis 30 Jahre.
Gutartige Hodentumore gibt es sehr selten.
Hodentumore können fast immer geheilt werden!
Seminome finden sich überwiegend bei den über 30-jährigen Patienten.
Nicht-Seminome, wie Dottersacktumore, Embryonalzellcarzinome, Teratome oder Chorioncarzinome treten eher bei den unter 30-jährigen Patienten auf.
Hodentumore bei Männern zwischen 50-70 Jahre sind meist Lymphome, die im Rahmen einer bösartigen Grunderkrankung hierher gestreut haben.
Ursachen
Häufig wird keine Ursache für das Entstehen des Hodentumors gefunden.
Allerdings gibt es zwei Faktoren, die das Auftreten eines Hodentumors begünstigen:
- Maldeszensus testi
- Hodentumor auf der Gegenseite
Maldescensus testi:
Damit ist gemeint, dass während der Entwicklung im Mutterleib der Hoden nicht vollständig in den Hodensack wandert. Der kindliche Hoden ist dann bei der Geburt nicht im Hodensack tastbar. Selten sind beide Hoden davon betroffen.
Durch frühzeitige Operation des Kindes kann die Möglichkeit auf eine spätere bösartige Entartung des Hodens um 50 % gesenkt werden.
Hodentumor auf der Gegenseite:
5-8 Jahre nach einer Tumor-Operation am Hoden ist das Risiko am größten, einen bösartigen Tumor auf der Gegenseite zu bekommen.
Daher ist die Nachsorge sehr wichtig!
Symptome
Schmerzlose Größenzunahme des Hodens oder tastbare Verhärtung/Verformung sind ein Alarmsignal. Der Urologe sollte unverzüglich
aufgesucht werden.
Diagnostik
Das Abtasten des Hodens zeigt eine Verhärtung und Unregelmäßigkeit, besonders im vergleich zur Gegenseite.
Im Ultraschall sieht man eine unregelmäßige Struktur innerhalb einer homogenen Struktur des restlichen Hodens.
ß-HCG, AFP und LDH sind Blutwerte und können bei Vorliegen eines Hodentumors erhöht sein.
Leider liegen oft Mischtumore vor, wo ein Teil des Tumors ß-HCG produziert, ein anderer nicht. Daher darf man sich nicht darauf verlassen, dass, wenn die Blutwerte Null sind, auch der Tumor weg ist. Aber umgekehrt kann man sicher sein, dass, wenn die Blutwerte erhöht sind, der Tumor noch aktiv ist.
Der Hodentumor streut bevorzugt in die Lymphknoten nahe der Niere und in die Lunge. Erst später in andere Organe.
Daher wird bei Vorliegen eines Tumors immer eine Röntgenaufnahme der Lunge, ein Computertomogramm der Lunge und des Bauches
durchgeführt.
Behandlung
Die Behandlung ist abhängig von der Art und der Ausdehnung des Tumors:
- Seminom (langsam wachsend, Bestrahlungs-Empfindlich)
- Nicht-Seminom (schnell wachsend, Chemotherapie-Empfindlich)
Stadieneinteilung (Lugano-Klassifikation):
I |
ausschließlicher Befall des Hodens |
II |
Streuung in die Lymphknoten (Metastasen) |
II A |
Metastasen in nur einem Lymphknoten |
II B |
Metastase (n) in einem oder mehreren Lymphknoten zwischen 2 und 5 cm |
II C |
Metastase (n) in Lymphknoten größer als 5 cm |
III |
Metastasen in anderen Organen (z.B. Lunge) |
Hodenentfernung:
Zunächst muss die Diagnose gesichert werden, das bedeutet, der befallene Hoden entfernt werden. Die Operation wird mit einem Leistenschnitt durchgeführt, der Hoden so wenig wie möglich angefasst, um eine Streuung während der Op zu vermeiden. Bestehen Zweifel an der Diagnose, wird der Samenstrang während der Narkose abgeklemmt und eine Probe aus dem Hoden entnommen. Die Probe wird innerhalb von 20 min. von einem Pathologen untersucht, während der Patient in Narkose liegt. Davon abhängig wird der Hoden entfernt. Hodenerhaltende Operationen werden extrem selten durchgeführt, da das Risiko des Zurücklassens von Tumorzellen sehr groß ist. In der selben Narkose wird eine Probenentnahme des gegenseitigen Hodens durchgeführt, da in ca. 3-4 % eine Vorstufe eines Tumors (TIN) auch im anderen Hoden vorliegt.
Nach diesem Eingriff kommt die Entscheidung, ob und was weiter zu tun ist:
Behandlung von Seminomen:
Stadium I/II A:
Bestrahlung des hinteren Bauraumes. Anstelle der Bestrahlung wird derzeit die Gabe von Carboplatin (Chemotherapie) in Studien geprüft.
Stadium IIB:
Bestrahlung mit 36 Gy. In diesem Stadium ist auch der Einsatz der Chemotherapie gerechtfertigt.
Stadium IIC / III:
Zunächst 3 Zyklen Chemotherapie. Anschließend werden Röntgen- bzw. Computertomografische Aufnahmen angefertigt, die zeigen, ob die Metastasen noch nachweisbar sind. Ist der größte Durchmesser der jetzt noch nachweisbaren Metastasen mehr als 3 cm, werden diese durch eine Bauch-Operation entfernt.
Behandlung von Nicht-Seminomen:
Stadium I:
es gibt 3 Optionen, die in Studien geprüft werden (nach derzeitigem Stand gleichwertig):
- Nervenschonende Lymphknotenentfernung durch einen Bauchschnitt
- 2 Zyklen Chemotherapie
- Keine Therapie, 3- monatige Kontrolle (nur für sehr zuverlässige Patienten geeignet)
Stadium II A:
Nervenschonende Lymphknotenentfernung durch einen Bauchschnitt, anschließend 2 Zyklen Chemotherapie
Stadium II B:
es gibt 2 Optionen:
- Nervenschonende Lymphknotenentfernung durch einen Bauchschnitt anschließend 2 Zyklen Chemotherapie
- 3 Zyklen Chemotherapie, wenn danach keine Metastasen mehr nachweisbar sind, kann auf die Operation verzichtet werden, ansonsten: Restmetastasenentfernung durch einen Bauchschnitt
Stadium II C:
3-4 Zyklen Chemotherapie
anschließend, falls Restmetastasen nachweisbar sind: Restmetastasenentfernung durch einen Bauchschnitt
anschließend, falls in den Restmetastasen aktiver Tumor nachgewiesen wurde: erneute 2 Zyklen Chemotherapie
Stadium III:
primäre Chemotherapie. Die Anzahl der Zyklen richtet sich nach dem Ansprechen des Tumors. Ggf. Behandlung in einem Onkologischen Zentrum mit einer Hochdosis-Chemotherapie.
Behandlung von TIN (Gleichzeitiger Tumor im anderen Hoden)
Bekommt der Patient wegen des Primärtumors eine Chemotherapie, sollte eine Kontroll-Probenetnahme aus dem Resthoden nach Ende der Chemotherapie erfolgen. Falls noch TIN nachweisbar ist, erfolgt eine Bestrahlung des Resthodens.
Bekommt der Patient keine Chemotherapie erfolgt direkt die Bestrahlung des Resthodens, anschließend eine Kontrollbiopsie des Resthodens nach 3 Monaten.
Chemotherapie
Unter Chemotherapie versteht man Medikamente, die schnell wachsende Zellen abtöten.
So werden Tumorzellen getötet. Aber auch sonstige im Körper schnell wachsende Zellen: Das sind u. a. die Haare, die Magen-Darmschleimhaut, Blutzellen und die Samenzellen.
Daher die bekannten Nebenwirkungen der Chemotherapie: Übelkeit und Haarausfall.
Wegen der Beeinträchtigung der Samenzellen besteht die Gefahr der Zeugung eines missgebildeten Kindes. Daher kann vor einer Chemotherapie eine Samenspende erfolgen, die der Patient allerdings selber bezahlen muss. 3-5 Jahre nach einer Chemotherapie ist die Gefahr minimal, ein behindertes Kind zu zeugen.
Wegen der Zerstörung von Blutzellen kann es unter der Chemotherapie zu einem starken Abfall der weißen Blutkörperchen kommen. Dadurch besitzt der Patient dann kaum noch Abwehr gegen Bakterien und muss ggf. für ein paar Tage im Krankenhaus isoliert werden (um ihn vor Keimen zu schützen).
Kommt es zu einem starken Abfall der Blutplättchen, kann es zu Nasenblutung und anderen Blutungen kommen, die die Gabe von Blutplättchen im Krankenhaus erforderlich macht.
Kommt es zu starkem Abfall der roten Blutkörperchen, ist der Patient sehr blass und hat u. U. Kreislaufprobleme. Dann wird die Gabe von roten Blutkörperchen (Blutkonserven) erforderlich.
Trotz aller Nebenwirkungen ist es wichtig, den Zeitplan einzuhalten, sprich den Abstand von 22 Tagen je Zyklus. Denn die Tumorzellen sollen in einem bestimmten Entwicklungsstand getötet werden.
3 Monate nach Beendigung des letzten Zyklus haben sich die gesunden Zellen erholt, was der Patient darin sieht, dass seine Haare wieder wachsen. Die Übelkeit hört schon ca. 1-2 Wochen nach dem letzten Zyklus auf.
Nachsorge
Die Nachsorge beim Hodentumor erfolgt im Abstand von 3 Monaten in den ersten 2 Jahren, dann halbjährlich und nach 5 Jahren jährlich.
Wichtig ist es, den Resthoden im Auge zu behalten. In ca. 5-8 % kann sich nach 6-8 Jahren ein Tumor im Resthoden bilden. Daher muss der Patient lernen, den Resthoden selber zu beurteilen, das bedeutet, ihn regelmäßig abzutasten und bei leichter Veränderung sofort einen Urologen aufzusuchen.
Die Nachsorge beinhaltet somit die Untersuchung des Resthodens, eine Ultraschalluntersuchung des Resthodens, eine Ultraschalluntersuchung des Bauches sowie eine Blutabnahme (Tumormarker ßHCG, AFP und LDH). In bestimmten Abständen wird auch ein erneutes Computertomogramm durchgeführt.

