Hypospadie
Elisabeth-Krankenhaus Rheydt
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Allgemeines
Unter Hypospadie versteht man eine Fehlanlage der Mündung der Harnröhre. Diese Mündung liegt dann nicht wie normalerweise an der Penisspitze, sondern auf der Unterseite des Penisschaftes. Die Mündung kann sich unter der Eichel (75%), im Penisschaft (13%) oder unterhalb des Hodensackes (12%) befinden. Meist besteht zusätzlich eine Penisverkrümmung, die einen späteren Geschlechtsverkehr behindern kann. Die Entscheidung zur Operation kann aus ästhetischen oder medizinisch notwendigen Gründen erfolgen. Die Aufklärung der Eltern über den Grund der Entscheidung zur Operation ist wichtig, da die Operation auch Komplikationen haben kann.
Diagnostik
Die Diagnostik umfasst neben der Klassifikation der Fehlbildung (Lage, Form und Weite der Harnrörenmündung, Grösse des Penis, Angaben der Mutter über Gliedverkrümmung bei Erektion, Entzündungen), auch die Abklärung weiterer Fehlbildungen:
- in 9% Offener Processus vaginalis (Leistenbruch)
- in 5-31%Hodenhochstand, je nach Form der Hypospadie,
- in 3% Fehlbildungen des oberen Harntraktes (der Nieren, des Harnleiters)
Durch die körperliche Untersuchung des Kindes erkennt der Arzt das Vorliegen eines offenene Processus vaginalis (Leistenbruch) und einen Hodenhochstand. Das Erkennen von Fehlbildungen des oberen Harntraktes bedürfen weiterer Untersuchungen. Dazu gehören das MCU (Miktionszystourehrogramm), Ultraschall und ggf. Röntgen. Bei dem MCU wird über einen Harnblasenkatheter Kontrastmittel in die Harnblase gefüllt, bis das Kind Harndrang verspürt. Dann wird der Katheter entfernt und das Kind lässt unter Röntgendurchleuchtung Wasser. Der Weg, den das Kontrastmittel während des Wasserlassens nimmt, kann im Röntgen gesehen werden, Es ist der gleiche Weg, den der Urin nimmt. Fehlbildungen/Fehlfunktionen können so erkannt werden. Weiterhin sollte eine Urinkontrolle erfolgen, in der man Infektionen ausschließt.
Die Entscheidung zur Operation: Medizinisch notwendig ist eine Operation dann, wenn die Harnröhrenmündung nicht im Eichel-Bereich liegt. Außerdem ist eine Operation erforderlich, wenn die Harnröhrenmündung zwar im Eichelbereich liegt, aber zusätzlich eine Vorhautverengung, Gliedverkrümmung oder eine Verengung der Harnröhrenmündung vorliegt. Kosmetische Korrektur Die Entscheidung zu diesem Eingriff sollten die Eltern unter sorgfältiger Abwägung der eventuellen Komplikationen durch den Eingriff erwägen.
Operation
Das Operationsziel besteht in der Beseitigung der Gliedverkrümmung und der Bildung einer neuen Harnröhrenmündung bzw. einer neuen Harnröhren-Teilstrecke. Die Operation erfordert das Arbeiten mit einer Lupenbrille, sie dauert zwischen 2 und 3 Stunden. Der Urin wird bis zur Wundheilung (ca. 1 Woche) durch einen Bauchdeckenkatheter ausgeleitet. Die stationäre Behandlung des Kindes ggf. in Begleitung der Mutter dauert da. 10-14 Tage.
Komplikationen
Eine leichte Vernarbung oder nur Verklebung des Harnröhrenausganges können direkt nach der Operation auftreten und durch eine vorsichtige Dehnung mit einem kleinen Metallstift behoben werden. Tritt die Harnröhren-Mundungs-Vernarbung später auf, muss sie durch eine erneute Operation korrigiert werden, aber frühestens 6 Monate nach der ersten Operation.
Fisteln, das bedeutet Urinaustritt nicht aus der Harnröhrenmündung sondern aus dem Operationsgebiet, sind selten, müssen aber fast immer durch eine erneute Operation verschlossen werden.
Eine Rest-Penisverkrümmung bei der Erektion sollte von der Mutter nur beobachtet werden. Meist verschwindet die Verkrümmung bis zur Pubertät und kann sonst immer noch durch einen kleinen operativen Eingriff beseitigt werden.

